War­um Ganz­heit­li­ches Gedächt­nis­trai­ning?
Wir alle ken­nen die Fra­ge »Was woll­te ich noch gera­de?« »Wo habe ich nur mei­nen Auto­schlüs­sel hin­ge­legt?« »Wie heißt noch­mal das Hotel, in den ich mich vor 2 Jah­ren so wohl gefühlt habe?« usw. usw., die Rei­he lie­ße sich sicher­lich end­los wei­ter­füh­ren.
Dabei ken­nen wir das auch anders; die mei­sten von uns erin­nern sich sicher noch ganz genau an den Namen der Lieb­lings­grund­schul­leh­re­rin, auch wenn man schon bestimmt 30, 40 Jah­re nicht mehr an sie gedacht hat. Ich erin­ne­re ihn noch; Frau Breu­er und sie wohn­te in Essen Bor­beck. War­um weiß ich noch heu­te die kom­plet­te Adres­se inklu­si­ve der Post­leit­zahl, die es schon lan­ge nicht mehr gibt, nebst Tele­fon­num­mer mei­nes eige­nen Zuhau­ses, auch wenn dort schon seit nun­mehr 38 Jah­ren kei­ner aus unse­rer Fami­lie mehr wohnt. War­um kann ich noch heu­te die Lie­der von Ada­mo »Es geht eine Trä­ne auf Rei­sen«, Julio Igle­si­as »Wenn ein Schiff vor­über fährt« oder »Hei­ßer Sand« von Mina mit­sin­gen.
Lie­der, die mei­ne Mut­ter immer und immer wie­der hör­te in der Zeit zwi­schen 1968 und 1973. Da war ich 7 bzw. 12 Jah­re alt! (Stel­len Sie mir an die­ser Stel­le bit­te nicht die Fra­ge, wann ich die­se Musik heu­te noch höre). Ich erin­ne­re mich an die Ziga­ret­ten­mar­ke, der Ziga­ret­ten, die der Nach­bars­sohn sei­ner Mut­ter aus der Packung gestoh­len hat­te und die wir mit 13 heim­lich rauch­ten; »Mura­ti Pri­vat«.
Ich weiß noch heu­te, das mei­ne mir ver­lo­ren gegan­ge­ne, dama­li­ge unzer­trenn­li­che beste Freun­din Astrid genau 7 Tage, 16 Stun­den und 13 Minu­ten jün­ger ist als ich. Daher muss ich auch an jedem Gedenk­tag zu »Nine Ele­ven« trau­rig an sie den­ken, da sie am Tag die­ser schreck­li­chen Kata­stro­phe ihren 40.ten Geburts­tag hat­te.
Ich bin sicher, dass die mei­sten von Ihnen ganz genau wis­sen, wo sie an die­sem 11.September 2001 waren!? Wis­sen Sie dage­gen, wo Sie am 22.November 2005 waren? An die­sem Tag hat unse­re Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel zum ersten Mal ihren Amts­eid gespro­chen. Mein Mann weiß genau zu berich­ten, wie er am 21.Juli 1969 vor dem Fern­se­her geses­sen hat, um der Ersten Mond­lan­dung von Neil Arm­strong bei­zu­woh­nen. Ich weiß das Datum der Hoch­zeit von Lady Di und Prince Charles, weil mei­ne Mut­ter an die­sem Tag Geburts­tag hat­te. Und es gibt einen ein­zi­gen Witz, den ich behal­ten habe und erzäh­len kann, weil ich das Lachen mei­ner Schwie­ger­mut­ter nie ver­ges­sen wer­de, in das sie jedes Mal aus­ge­bro­chen ist, sooft sie ihren Lieb­lings­witz erzählt hat. »Klein Fritz­chen will sei­ner Leh­re­rin eine Freu­de machen…«. Unge­zähl­te eige­ne Lieb­lings­wit­ze sind dage­gen ver­ges­sen.
An was erin­nern Sie sich, wenn Sie heu­te eine Turn­hal­le betre­ten und Ihnen die­ser unver­wech­sel­ba­re Geruch in die Nase steigt?

Dass es mit Namen, Daten und Fak­ten die erst vor weni­gen Tagen aktu­ell waren manch­mal anders ist zeigt ein und ich ver­si­che­re Ihnen wah­res »Gespräch« mei­ner Freun­din Anne, als sie mich unlängst frag­te, ob ich auch die­sen Film gese­hen hät­te, den mit der ?… na wie heißt sie noch? Die, die ihren Geburts­tag fei­ern will, aber dann jeman­den trifft, den Schau­spie­ler ?… Na den, wie heißt er noch, der aus Öster­reich, der mit dem run­den Gesicht. Die tref­fen sich im Kaf­fee oder war es beim Opti­ker? Na eben die, die ich doch so gut fän­de, die auch in die­sem einen ver­stö­ren­den Film, die Mut­ter von dem Einen spielt, na der, der letz­tes Jahr auch in der Ber­li­na­le Jury geses­sen hat, der, der immer so hef­ti­ge Rol­len spielt?…
Es hat geschla­ge­ne 30 Minu­ten gedau­ert, bis wir raus­ge­fun­den hat­ten, dass sie den Film »Giu­li­as Ver­schwin­den« mein­te. In der Haupt­rol­le Corin­na Har­fouch zusam­men mit Bru­no Ganz (und mit dem Einen Lars Eidin­ger gemeint war).

Was macht also den Unter­schied? Wie kommt es, dass wir uns einer­seits an klein­ste Klei­nig­kei­ten so genau erin­nern kön­nen, jedoch bei der Suche nach der Pin Num­mer am Bank­au­to­ma­ten trotz größ­ter Kon­zen­tra­ti­on und aus­ge­feil­ter Atem­tech­nik schei­tern?

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